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Chronik eines angekündigten Krieges


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von Norbert*Breuer am 20.Feb.2003 09:11

Ein Freund Oliver Deppe schrieb:

Zum Thema Betroffenheit
hat Peter Sloterdijk kürzlich einen Gedanken ausgeführt, der ist so zynisch wie überprüfenswert. Die Chronik eines angekündigten Krieges liest sich sehr seltsam. Noch nie zuvor war ein Krieg medial so begleitet und angekündigt wie dieser. Als wärens die olympischen Spiele. Als wärs ein Gladiatioren-Kampf. Als hätten die Zuschauer nun endlich Anspruch auf die Eröffnung der Spiele, die Tausenden das Leben kosten werden. Mit Assoziation Sofa, Knabberzeug und Fernseher, der das alles im Detail sichtbar machen wird. Man wäre erstaunt, würden die Kämpfe nicht staffinden. Das Publikum wartet. Wäre enttäuscht, nicht endlich bedient zu werden. Quasi legitimiert durch omnipräsente Berichterstattung, die ungewollt dem Grauen des Krieges den Schrecken nimmt. Im Vorfeld. Und die verspricht, wir werden an vorderster Front dabei sein, wenns los geht. Das sind wir unseren Zuschauern schuldig. Die intensive Medie
nberichterstattung wird zum Komplizen der Kriegsmaschinerie. So wie auch Terrorismus ohne Medien nicht wirklich wirksam operieren könnte.

Das pervertiert die Betrachtung eines mögliches Krieges in neue Dimensionen. Weil man Krieg in Teilen der Bevölkerung nicht mehr als das wahrnimmt, was er ist. Sloterdijk sagt am Schluss seiner Ausführungen: "Nach so viel Vorspann ist der Hauptfilm nicht mehr ohne Murren der Zuschauer vom Programm zu nehmen." Was sich sehr zynisch liest, ist möglicherweise Teil einer neuen Form der Betroffenheit. Die mit übersättigter Informiertheit zu tun hat. Und Arenabetrachtung, die sich mit dem klinischen, sofaorientierten Kitzel von Reality-TV zu vermischen beginnt.

Schwierig, diesen Gedanken zu denken, den Sloterdijk da anreisst. Möglicherweise aber nicht von der Hand zu weisen.

von Unbekannt Gruß Duppich


Sehr passend und wohl auch stimmig, was der Philosoph Sloterdijk, welcher für seine Blumige sprache hoch gelobt wird und sicherlich nicht nur deshalb Lesenswert ist, dort feststellt und ausführt. Sloterdijk ist für mich z.Z. einer der freiesten deutschen Philosophen und Denker unsere Zeit; was ich bestimmt nicht oft feststelle, man siehe nur die gewagten Thesen in "Regeln für den Menschenpark". Sloterdijk ist für jeden aufgeklärten Denkern ein genuss.
Zu seinem Abschlussatz denke ich daran, was der Hirnforscher,Philosoph und Soziologe Detlef Linke inetwa über die heutige Art der Gefühlsverarbeitung feststellt:
"Der Mensch sitzt beschützt in seinen vier Wänden, focusiert mit eingeschränktem Blick die schrecklichen und auch schönen Bilder auf dem Bildschirm und entwickelt keine Regungen dazu; denn Gefühle finden rechts und links von uns statt.

Norbert*Breuer

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